KI-Agenda verabschiedet - Rheinland-Pfalz Vorreiter der Schlüsseltechnologie Künstliche Intelligenz

Im Rahmen des Digitalisierungskabinetts stellten Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf heute die rheinland-pfälzische KI-Agenda vor. Die Landesregierung wird die Investitionen in die Förderung, Forschung und Vernetzung von Künstlicher Intelligenz (KI) verdoppeln.

KI ist eine Schlüsseltechnologie, die das Potential besitzt, wichtige Beiträge zur Lösung aktueller Herausforderungen in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft beizusteuern. Künstliche Intelligenz durchdringt die verschiedenen Wissenschafts- und Wirtschaftsfelder, verbirgt sich hinter zahlreichen gesellschaftlich relevanten Innovationen und ist zugleich Treiber für anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung. Dies reicht von der Produktion bis zur Gestaltung der Arbeitswelt und von der Mobilität bis zur Bildung.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer hob die Bedeutung der KI-Strategie für Rheinland-Pfalz hervor: „Künstliche Intelligenz ist ein ganz entscheidendes Thema der Zukunft. Sie kann Chancen bieten, uns wirtschaftlich voranzubringen und unsere Lebensqualität in vielen Bereichen zu erhöhen, schwere Krankheiten wie Krebs zu heilen und neues Wissen hervorzubringen. Um diese Chancen für unser Land und seine Menschen zu nutzen, investieren wir in den anwendungsorientierten Transfer der Künstlichen Intelligenz, um Wissenschaft und Wirtschaft weiter zu verbinden“, so die Ministerpräsidentin. „Rheinland-Pfalz ist schon heute ein Vorreiter in der Erforschung und Anwendung Künstlicher Intelligenz. Daher ist es von zentraler Bedeutung, die bereits vorhandenen Kompetenzen der Forschung im KI-Bereich weiter voranzutreiben. Wir wollen an der Spitze bleiben, unsere neuen KI-Botschafter nehmen eine wichtige Rolle dabei ein, uns international zu vernetzen. Wir tragen KI auch in die Regionen: Die KI-Losten sollen über Einsatzmöglichkeiten von KI-Methoden informieren und über die einschlägigen Akteure und Einrichtungen im Land informieren. Sie sollen Ansprechpartner, Vermittler und Berater sein, für Wissenschaftsakteure, für die öffentliche Hand und für die Wirtschaft“, erklärte Ministerpräsidentin Malu Dreyer weiter. „Rheinland-Pfalz ist das Mutterland der Schlüsseltechnologie Künstliche Intelligenz in Deutschland. Wir wollen diese Technologie weiterentwickeln und unterstützen. Dazu gehören auch die Superrechner für das Quantencomputing oder der Einsatz von KI-Methoden für die Forschung im Bereich der Onkologie und Immunologie im Kampf gegen Krebs am TRON in Mainz, die mich immer wieder begeistern. Als eine unserer größten Verantwortungen und Aufgaben sehe ich es an, dass KI immer zum Wohl von Mensch und Gesellschaft eingesetzt wird,“ unterstrich die Ministerpräsidentin.

Rheinland-Pfalz verdoppelt Gelder für KI Förderung auf 36 Millionen Euro

Als ersten Schritt initiiert die Landesregierung die Gründung einer KI-Allianz. Als weitere Maßnahmen folgen: gezielte Projekt- und Forschungsförderungen, Einrichtung einer KI-Academy, Ernennung von zwei KI-Botschaftern und einer KI-Lotsin, Einrichtung neuer KI-Professuren sowie die Gründung von KI-Labs. Dafür hat die Landesregierung für den Zeitraum von 2018 bis Ende 2023 Projektmittel in Höhe von rund 18 Millionen Euro für die Aktivitäten zur Stärkung der rheinland-pfälzischen Wissenschaftslandschaft im KI-Bereich eingeplant. Im Zuge der KI-Agenda kommen in den nächsten Jahren weitere rund 18 Millionen Euro hinzu, womit sich die aktuelle Planungssumme verdoppelt.

“Künstliche Intelligenz ist mittlerweile Alltag und wird unser Leben und Arbeiten in Zukunft noch stärker beeinflussen. Die rheinland-pfälzische Wissenschaftslandschaft ist mit ihrer Forschung an Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften und außeruniversitären Forschungseinrichtungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz bereits breit und differenziert aufgestellt“, erklärte Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf. „Es freut mich, dass wir mit Professorin Dr. Katharina Zweig und Professor Dr. Andreas Dengel als KI-Botschafter sowie mit Professorin Dr. Anita Schöbel als KI-Lotsin weltweit anerkannte Expertinnen und Experten gewinnen konnten, die mit ihren KI-Kompetenzen dazu beitragen, den Wissenschaftsstandort Rheinland-Pfalz national und international noch sichtbarer zu machen.“

Mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das seinen Sitz in Kaiserslautern hat, den einschlägigen Fachbereichen der Universitäten Kaiserslautern, Mainz, Trier, Koblenz-Landau, und beispielsweise der Hochschule Trier sowie außeruniversitären Forschungseinrichtungen, wie dem Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) und dem Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) verfügt das Land über institutionell geförderte Einrichtungen, die sich mit verschiedenen Aspekten der Erforschung und Anwendung von KI bereits erfolgreich beschäftigen.

„Künstliche Intelligenz ist ein neues Werkzeug des Menschen, das vieles kann, was wir nicht können – und umgekehrt. Rheinland-Pfalz macht sich auf den Weg, die Chancen von KI auszuloten und dabei gleichzeitig die Risiken zu umschiffen. An der TU Kaiserslautern haben wir im Rahmen der Exzellenzinitiative dafür gerade das CEDIS (Center for Ethics and a Digitalized Society) gegründet, das Grundlagenforschung zu diesen Themen mit dem Transfer in die Industrie und Verwaltung verbindet. Der bundesweit einzigartige Studiengang Sozioinformatik der TU Kaiserslautern trägt ebenfalls zu dieser Aufgabe bei. Ich freue mich daher auf meine neuen Aufgaben als KI-Botschafterin von Rheinland-Pfalz“, erklärte Prof. Dr. Katharina Zweig, Fachbereich Informatik der TU Kaiserslautern und Leiterin des Algorithm Accountability Lab.

„Es freut mich, meine nunmehr über fünfundzwanzigjährige Erfahrung im Aufbau und der Leitung des DFKI als KI-Botschafter für das Land Rheinland-Pfalz einbringen zu dürfen. Das DFKI steht als Marke für den erfolgreichen Transfer von KI im Sinne des Menschen und zum Nutzen für Wirtschaft und Gesellschaft. KI ist eine kognitive Leistungsverstärker-Technologie, die sinnvoll eingesetzt, in nahezu allen Bereichen des Lebens Mehrwerte und Fortschritt ermöglicht. Das haben wir in Kaiserslautern erfolgreich belegt, nicht nur durch Lösungen für Unternehmen aus der ganzen Welt, sondern auch durch die Kreativität und Innovation der vielen Startups, die aus dem DFKI heraus gegründet wurden. Als KI-Botschafter möchte ich ein Stück dazu beitragen, den Blick für „KI made in RLP“ weiter zu schärfen, ob als Mediator, Moderator oder auch als Übersetzer zwischen Forschung und Anwendung. Ich freue mich in meiner neuen Rolle auch darauf, gemeinsam mit den Ressortverantwortlichen der Landesregierung die Maßnahmen der KI-Strategie in Rheinland-Pfalz kritisch zu begleiten und zum Wohle des Landes und seiner Bevölkerung weiterzuentwickeln“, erklärte Professor Dr. Andreas Dengel, Geschäftsführender Direktor des DFKI.

Neue KI-Allianz bündelt und vernetzt

Das Wissenschaftsministerium gründet zunächst, gemeinsam mit den vier rheinland-pfälzischen Universitäten, eine KI-Allianz, um die Positionierung und Wahrnehmung der im Land vorhandenen Kompetenzen im KI-Bereich weiter zu forcieren. In die KI-Allianz sollen auch interessierte Hochschulen für angewandte Wissenschaften und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen aufgenommen werden. „Wir wollen damit bis in die Fläche unseres Landes hineinwirken und den KI-Standort Rheinland-Pfalz international noch stärker positionieren“, sagten die Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft und Landesregierung. Die Geschäftsstelle der KI-Allianz wird an den beiden Universitätsstandorten Kaiserslautern und Mainz zwei Projektbüros einrichten, über die die Aktivitäten der KI-Allianz abgestimmt und gesteuert werden. Für die KI-Allianz wird bis zu einer Million Euro bereitgestellt.

Sechs weitere Maßnahmen, die durch die KI-Allianz begleitet und unterstützt werden, sollen folgen:

„Wir fördern in Rheinland-Pfalz seit 30 Jahren KI-Forschung. Wir gehören zu den Pionieren im Feld der Künstlichen Intelligenz. Das werden wir jetzt nochmals verstärken“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Über eine gezielte Projektförderung aktueller Themen und die institutionelle Forschungsförderung der Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen werden die in der rheinland-pfälzischen Forschungslandschaft vorhandenen KI-Kompetenzen mit der jeweils fachlich bezogenen Expertise gebündelt und verstärkt.

Neue KI-Academy für Fachkräftenachwuchs

„Wir investieren in KI-Nachwuchs und KI-Fachkräfte“, erklärte die Ministerpräsidentin. Im Zuge der KI-Agenda wird im Dialog zwischen Hochschulen und Land eine KI-Academy entstehen. Mit Qualifizierung und Weiterbildung von Fachkräften will die Landesregierung so langfristig die Bedarfe der Wissenschaft und der Wirtschaft sichern. Die rheinland-pfälzischen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen verfügen über zahlreiche Qualifizierungsangebote. Ziel einer neuen KI-Academy ist es, diese unter dem Dach der KI-Allianz im Land stärker als bisher sichtbar zu machen und da, wo sinnvoll, miteinander zu vernetzen. Darüber hinaus wird angestrebt, gemeinsam unter den Akteuren der KI-Allianz und ihrer Partner, abgestimmte neue Angebote zur personenbezogenen KI-Kompetenzentwicklung für die Regionen und für das Land zu entwickeln. Zudem ist geplant, dem wissenschaftlichen Nachwuchs eine zentrale und themenoffene Vernetzungsplattform zu bieten. Mit den 2019 und 2020 eingerichteten Forschungskollegs kann hier bereits auf Erfahrungen zurückgegriffen werden.

KI-Botschafter vertreten Rheinland-Pfalz in der Welt

Mit Professorin Dr. Katharina Zweig von der Technischen Universität Kaiserslautern und Professor Dr. Andreas Dengel vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und der Technischen Universität Kaiserslautern werden zukünftig zwei international anerkannte Persönlichkeiten aus dem Bereich der KI eine wichtige Rolle für das Land Rheinland-Pfalz übernehmen: Sie werden als KI-Botschafterauf internationaler Ebene über die Vielzahl hervorragender Forschungseinrichtungen mit KI-Know-how informieren, bei der Anbahnung von globalen Kontakten unterstützen und Rheinland-Pfalz als internationalen KI-Leuchtturm noch deutlicher zu positionieren.

KI-Lotsen vermitteln Angebote für Wissenschaft und Wirtschaft in der Region

Als erste KI-Lotsin wird mit Professorin Dr. Anita Schöbel vom Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik (ITWM) in Kaiserslautern eine international anerkannte Expertin den Themenbereich KI und Mobilität vertreten. Eine Ausweitung auf weitere Anwendungsfelder der Schlüsseltechnologie KI in den Potentialbereichen des Landes, wie beispielsweise Life Science und Materialien ist denkbar. Aufgabe der KI-Lotsen ist es, das Wissen bei Akteuren aus Wissenschaft und Wirtschaft über das Spektrum der Einsatzmöglichkeiten von KI-Methoden und über die im Land vorhandenen infrastrukturellen, institutionellen und personellen Kompetenzen in bislang KI-fernen Wissenschaftsdisziplinen zu erhöhen und diesen als Ansprechpartner, Vermittler und Berater zur Verfügung zu stehen.

10 neue KI-Professuren stärken Wissenschaftsfeld

Im Rahmen der KI-Agenda wird das Land in den kommenden Jahren durch die Einrichtung von bis zu zehn neuen KI-Professuren einen wichtigen Beitrag leisten, dieses Forschungsfeld weiter voran zu bringen. Mit einer Erhöhung der Professorenzahl um fast zwei Drittel gelingt eine wesentliche Stärkung des aktuell mit 17 KI-Professuren besetzten Wissenschaftsfeldes.

Neue KI-Labs helfen, wirtschaftsnahe Einsatzmöglichkeiten zu erkennen

Über die KI-Labs an Forschungseinrichtungen soll die Schlüsseltechnologie KI an kleine und mittlere Unternehmen herangetragen werden. Diese sollen sich dort über konkrete Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz und beispielhaften Anwendungen informieren können. Die Labore sollen dazu beitragen, dass insbesondere kleine und mittlere Unternehmen das Potenzial von KI erkennen, konkrete Einsatzmöglichkeiten in ihrem Branchen- und Betriebs-Umfeld identifizieren und erste Schritte in Richtung KI-Anwendungen gehen können. Zur Aufgabe der Labore zählt der gezielte Wissenstransfer durch Netzwerkbildung zwischen den Forschungseinrichtungen, KI-interessierten Unternehmen untereinander und KI-Anbietern.