Landesverdienstorden ehrt Menschen, die Außergewöhnliches leisten

Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat sechs Frauen und Männer für ihr herausragendes Engagement mit dem Landesverdienstorden ausgezeichnet: „Diese Verleihung ist für mich immer etwas Besonderes, denn sie ehrt Menschen, die Außergewöhnliches für Rheinland-Pfalz geleistet haben.“

„Ihr vielfältiges Ehrenamt reicht vom Einsatz für soziale Gerechtigkeit über ökologisches Engagement bis hin zum Jugendschutz im Internet. Damit leisten Sie einen unschätzbaren Beitrag für unsere demokratische Gesellschaft“, betonte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. 

„Die Ehrung findet dieses Mal unter ungewöhnlichen Umständen statt. Statt gemeinsam miteinander zu feiern, müssen wir uns leider auf Distanz begegnen. Umso mehr freue ich mich, dass ich den Landesverdienstorden heute trotzdem an Sie übergeben darf,“ so die Ministerpräsidentin. Die Ordensträgerinnen und Ordensträger wurden einzeln nacheinander eingeladen. Eine gemeinsame Feierstunde mit den Gästen fand aufgrund der aktuellen Pandemielage nicht statt.

Die Ministerpräsidentin bedankte sich bei allen Ordensträgerinnen und Ordensträgern: „Zusammenhalt und Solidarität sind gerade jetzt wichtiger denn je. Unsere Gesellschaft lebt davon, dass sich Bürger und Bürgerinnen füreinander einsetzen, die Zukunft mitgestalten und andere Menschen inspirieren.“

Der Landesverdienstorden ist die höchste Auszeichnung des Landes. Um dieses Zeichen der Anerkennung würdig hervorzuheben, ist die Zahl auf 800 Ordensträger und Ordensträgerinnen begrenzt.

Bilder zur Veranstaltung finden sie hier.

 

Geehrt wurden (in alphabetischer Reihenfolge):

Gisela Abts, Mainz

Schon früh hat sich Gisela Abts in den Kindertagesstätten und Schulen ihrer Töchter in der Elternarbeit engagiert. Sie gründete 1970 den ersten Kinderladen in Mainz, war langjährige Mitstreiterin für die erste Gesamtschule in Mainz und viele Jahre Vorsitzende des Schulelternbeirates.

Seit 1982 ist sie bei pro familia Mitglied, der größten nicht-staatlichen Organisation für Sexual-, Schwangerschafts- und Partnerschaftsberatung in Deutschland. Zunächst als Delegierte für den Ortsverband Mainz sowie den Landesverband Rheinland-Pfalz, ab 2002 dann als Teil des geschäftsführenden Vorstands von pro familia Mainz. Von 2014 bis 2018 übte sie dort das Amt der Vorstandsvorsitzenden aus; seit 2019 gehört sie dem Vorstand noch als Beisitzerin an. Dabei bezieht Gisela Abts immer klar Stellung für die Selbstbestimmung von Menschen über ihre Sexualität und das Recht, ihre individuellen und vielfältigen Vorstellungen von Partnerschaft und Familie zu leben.

Für das ZsL – das Zentrum für Selbstbestimmtes Leben – entwickelte sie in Seminaren eine neue Form der Beteiligung und gründete einen Beirat, dem sie bis heute angehört. Als Organisationsberaterin und Coach hat sie sich das „Empowerment“ von Frauen zur Aufgabe gemacht. Durch ihre ehrenamtlichen Netzwerke und ihre Tätigkeit als Vorsitzende des Mainzer Unternehmerinnentreff MUT hat sie zahlreiche Frauen miteinander in Verbindung gebracht und auf ihrem emanzipatorischen Weg gestärkt.

 

Prof. Claudia Eder, Wiesbaden

Prof. Claudia Eder ist seit 1988 Universitätsprofessorin für Gesang an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Vor ihrer Berufung an die Universität und parallel zu ihrer Professur verfolgte sie eine große künstlerische Karriere mit Stationen in München, Wien und Düsseldorf. Im Rahmen von Gastengagements wurde sie an die wichtigsten internationalen Opernhäuser verpflichtet. Neben ihrer Tätigkeit als Opernsängerin feierte sie auch als Konzert- und Oratoriensängerin sowie mit eigenen Inszenierungen Erfolge. Darüber hinaus gibt sie Meisterklassen im In- und Ausland.

Unter der Leitung von Prof. Claudia Eder erlangte die Abteilung Gesang der Hochschule für Musik internationale Anerkennung. Sie implementierte den damals bundesweit ersten künstlerischen Masterstudiengang Gesang und unterstrich damit die Vorreiterrolle der Gesangsabteilung der Hochschule für Musik Mainz. So wurden unter ihrer Federführung zahlreiche Projekte zur Förderung der fachlichen Exzellenz initiiert, institutionell abgesichert und in das Studienangebot der Hochschule für Musik integriert. Beispiele dieser Projekte sind das Junge Ensemble am Staatstheater Mainz, regelmäßige Kooperationen mit Opern- und Konzerthäusern in Deutschland, die Kooperation mit der Landesstiftung Villa Musica Rheinland-Pfalz, die Kooperation mit dem Peter-Cornelius-Konservatorium der Stadt Mainz, die Koblenz International Guitar Festival & Academy sowie die Gründung der Internationalen Sommerschule SINGING SUMMER.

Als Mitglied im Gutenberg Forschungskolleg (GFK) wurde sie mit einer GFK-Fellowship ausgezeichnet und gründete aufbauend auf ihren erfolgreichen Projekten im Bereich Barockoper ein Zentrum für Alte Musik an der Hochschule Mainz. Auch als langjährige Prorektorin der Hochschule für Musik und Mitglied des Hochschulrates der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie als Mitglied im Künstlerischen Beirat der Villa Musica prägt sie das kulturelle Leben in Rheinland-Pfalz und darüber hinaus.

 

Rüdiger Frank, Landau in der Pfalz

Rüdiger Frank war zunächst in seiner Heimatstadt Landau in verschiedenen Kleingartenvereinen aktiv, bevor er 2006 Vorsitzender des Landesverbandes der Kleingärtner Rheinland-Pfalz wurde. Dem 1953 gegründeten Landesverband gehören neun Stadtverbände mit 84 angeschlossenen Vereinen und 120 Mitgliedsvereine an. Neben der Leitung des Verbandes ist er verantwortlich für Schulungen und Fortbildungen, fungiert als Ansprechpartner für Vereine und Stadtverbände in Sachen Kleingartenrecht sowie Vereinsrecht und klärt Fragen zum ökologischen Gärtnern. Hier arbeitet er mit der Gartenakademie in Neustadt an der Weinstraße zusammen und hat sich für das Verbot von Glyphosat im privaten Bereich eingesetzt.

Als Vorsitzender des Landesverbandes ist er außerdem Mitglied des Bewertungsteams und Mitorganisator der alle vier Jahre stattfindenden Landeswettbewerbe „Garten im Städtebau“, die vom Finanzministerium unterstützt und gefördert werden. Der letzte prämierte Kleingarten auf Landesebene, der auch gleichzeitig auf Bundesebene mit „Gold“ ausgezeichnet wurde, ist die Kleingartenanlage „Am Ebenberg“ in Landau. Dieser Kleingarten wurde im Rahmen der Landesgartenschau Landau 2015 auf Rüdiger Franks Initiative und Mitwirken hin errichtet. Das Besondere an dieser Anlage ist unter anderem die Konzeption und Anbindung eines Interkulturellen Gartens an die neue Kleingartenanlage. Der Interkulturelle Garten Landau ist ein Gemeinschaftsprojekt der Initiative zur Förderung deutsch-ausländischer Begegnungen und des Vereins Leben und Kultur. Auf den Parzellen verwirklichen Menschen aus 17 Nationen ihre Ideen vom Garten und holen sich dabei Rat und Hilfe von den Gärtnern und Gärtnerinnen.

 

Hella Holschbach, Dierdorf

Hella Holschbach ist seit vielen Jahren mit großem Engagement in der Landfrauenarbeit aktiv. 1979 kam sie aus dem polnischen Dobersdorf nach Rheinland-Pfalz und führte mit ihrem späteren Ehemann den Schlossparkhof in Dierdorf. Heute leitet ihr Sohn den landwirtschaftlichen Familienbetrieb. Seit 1983 gehört Hella Holschbach dem Land-Frauenverband an, von 1996 bis 2000 war sie Vorstandsmitglied im Land-Frauenverband Kreis Neuwied. Von 2004 bis 2020 hatte sie dort den Vorsitz inne. Seit 2007 ist sie außerdem im Präsidium des Land-Frauenverbandes Rheinland-Nassau tätig und ist in Ausschüssen auf Bundesebene aktiv.

Darüber hinaus ist Hella Holschbach im Vorstand des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau engagiert und gehört als Mitglied der Vollversammlung der Landwirtschaftskammer an. Sie setzt sich besonders für die internationale Zusammenarbeit mit der Partnerschaftsregion der Woiwodschaft Oppeln in Polen ein, organisiert und begleitet Partnerschaftstreffen.

Zu Beginn der Corona-Pandemie nähten die Neuwieder Landfrauen unter ihrer Federführung weit über 500 Masken, die an Pflegeeinrichtungen und weitere Organisationen verteilt werden konnten. Auch kommunalpolitisch ist Hella Holschbach seit 2020 als Mitglied im Verbandsgemeinderat Dierdorf engagiert. Von 2016 bis 2019 gehörte sie darüber hinaus dem Kreistag Neuwied an.

 

Ernestine Schaaf-Peitz, Wittlich

Ernestine Schaaf-Peitz leitet seit über 40 Jahren die Städtische Kindertagesstätte Wittlich-Neuerburg und engagiert sich seit 1995 in der GEW für den Berufsstand der Fachkräfte in Kitas. Dort ist Ernestine Schaaf-Peitz Leiterin des Vorstandsbereichs Jugendhilfe und Sozialarbeit. Seit 2016 gehört sie auf Bundesebene der Großen Tarifkommission an. Mit ihrem Fachwissen erläutert sie die Bildungsarbeit im Elementarbereich einer breiteren Öffentlichkeit und vermittelt zugleich ein modernes, selbstbewusstes Berufsbild. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftegewinnung und -sicherung.

Ernestine Schaaf-Peitz hat die fachlich-inhaltliche Debatte zu zentralen Themen der Frühpädagogik in Rheinland-Pfalz, wie etwa der Erstellung von Bildungs- und Erziehungsempfehlungen, der Beobachtung und Dokumentation von Bildungsprozessen und der Praxisanleitung, begleitet und sich aktiv eingebracht. Ihre Arbeit war dabei immer getragen von dem Ziel, den Kindern im Elementarbereich bestmögliche Entwicklungsbedingungen zu bieten.

Ihr besonderes Engagement für den Berufsstand und die Frühpädagogik zeigt sich auch darin, dass die Städtische Kita Wittlich-Neuerburg zur ersten Staffel der Konsultationskindertagesstätten in Rheinland-Pfalz gehörte. In ihrer Kita entwickelte sie mit ihrem Team schon früh ein Konzept der Offenen Arbeit. Außerdem fördert sie die interkulturelle Sensibilität sowie die sprachliche Bildung und hat eine tiergestützte Pädagogik mit Ziegen, Fischen, Hund und Hühnern etabliert.

 

Friedemann Schindler, Mainz

Friedemann Schindler leitete von 2002 bis Ende des Jahres 2018 die Stelle jugendschutz.net mit Sitz in Mainz, die 1997 durch die Obersten Landesjugendbehörden als länderübergreifende Stelle zur Einhaltung des Jugendschutzes im Internet gegründet wurde. Dank Friedemann Schindlers Doppelstrategie aus Maßnahmen und pädagogischer Prävention konnte jugendschutz.net parallel zur Unterstützung der Aufsichtstätigkeit auch medienpädagogische Ansätze entwickeln. So hat Friedemann Schindler jugendschutz.net in den vergangenen Jahren weiterentwickelt und dabei Eltern und Kinder bei der Mediennutzung aktiv unterstützt.

Friedemann Schindler setzt sich besonders für den technischen Jugendschutz, die Förderung guter Kinderangebote und den Kampf gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern im Netz ein. Indem er Internetdienst-Betreiber in die Pflicht nahm, für einen besseren Jugendschutz zu sorgen, hat er einen Rahmen geschaffen, der Kindern und Jugendlichen eine möglichst unbeschwerte Nutzung des Internets ermöglicht.

Mit seinem Einsatz hat Friedemann Schindler den Jugendschutz im Internet sowohl für Rheinland-Pfalz als auch bundes- und europaweit über Jahrzehnte hinweg wesentlich mitgestaltet und mitbestimmt.