Ministerpräsidentin Malu Dreyer besucht das Ahrtal – „Gemeinsam und solidarisch bringen wir den Wiederaufbau voran“

„Die Flutkatastrophe vom 14. Juli war eine schreckliche Tragödie mit einem Ausmaß an Zerstörungen, die es so noch nicht in Rheinland-Pfalz gab. Es wird noch lange dauern, bis die seelischen Wunden verheilt sind und die Menschen einen normalen Alltag leben können. Aber es gibt bereits große Fortschritte beim Aufbau der Infrastruktur, die schrittweise mehr Normalität möglich machen. Ich bin sehr froh darüber, wie gut alle Beteiligten kooperieren und sich mit Nachdruck gemeinsam für den Wiederaufbau eines lebenswerten Ahrtals einsetzen.“

„Der finanzielle Rahmen und die Förderkulisse sind in kürzester Zeit geschaffen worden. Alle Schritte des Wiederaufbaus werden wir nur im engen Dialog schaffen. Die Besuche, Gespräche und Begegnungen im Ahrtal sind mir daher besonders wichtig. Es sind viele Akteure und Akteurinnen am Wiederaufbau beteiligt, deren Erfahrungen und Lageeinschätzungen sind sehr wichtig für mich“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer bei einem ganztägigen Besuch im Ahrtal. Die Ministerpräsidentin verschaffte sich an vier Orten einen Überblick.

Erste Station der Ministerpräsidentin war die schwer getroffene Ortsgemeinde Schuld. Dort besuchte sie den Steinmetzbetrieb Natursteine Kaspers. Der Betrieb wurde durch die Flutkatastrophe schwer getroffen, ist aber schon wieder auf einem guten Weg zurück in die Normalität. Die Zukunft des Betriebs wird durch drei Töchter sichergestellt, die alle im elterlichen Betrieb mitarbeiten. Wer zum ersten Mal im Flutgebiet sei, sehe vor allem das Ausmaß der Zerstörung. Die Menschen, die dort leben, sehen aber auch, was sich seit dem verhängnisvollen Sommer getan hat“, so der Eindruck der Ministerpräsidentin.

„Mich beeindruckt immer wieder die Zuversicht und die Tatkraft, mit der die Menschen nach der Flutkatastrophe ihre Heimat wiederaufbauen wollen. Wie sehr wir das Handwerk brauchen, merken wir gerade jetzt beim Wiederaufbau. Ohne unsere Handwerksbetriebe geht nichts. Dass Sie nach vorne blicken und für Ihr Unternehmen eine Zukunft hier in Schuld sehen, gibt ganz viel Zuversicht, dass es im Ahrtal weiter vorangeht“, sage die Ministerpräsidentin beim Besuch des Familienbetriebs.

Ein Beispiel für die großartige Hilfsbereitschaft, die nach wir vor ganz maßgeblich die Fortschritte beim Aufräumen, Entkernen und Wiederaufbauen ermögliche, ist die AHRche e.V. in Ahrweiler. Der Verein für Katastrophenhilfe und Wiederaufbau wurde direkt nach der Flutkatastrophe von Anwohnerinnen und Anwohnern sowie Helferinnen und Helfern aus ganz Deutschland gegründet, um die Betroffenen zu unterstützen. Mit ihnen tauschte sich Ministerpräsidentin Malu Dreyer auf deren Gelände in Ahrweiler aus. Dort gibt es unter anderem einen Beratungsbus, einen „Hof“ mit Waschsalon und Friseur, einen Klimacontainer und ein Versorgungszelt. Die Ministerpräsidentin eröffnete eine Turnhalle, dort können Sporttreibende die kalte Jahreszeit überbrücken, bis die regulären Hallen wieder nutzbar sind. „Ohne den Einsatz der vielen ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen wären wir mit dem Wiederaufbau noch nicht so weit vorangekommen. Ob der Helfershuttle, ob Essensausgaben, Handwerkerleistungen oder die psychosoziale Betreuung, überall ist eine riesige Hilfsbereitschaft spürbar. Für diesen Einsatz danke ich allen sehr herzlich“, betonte die Ministerpräsidentin beim gemeinsamen Mittagessen im Versorgungszelt.

Anschließend besuchte sie das Schulzentrum in Sinzig. Dort war die Schulmensa durch das Hochwasser vollständig zerstört worden. Die ebenfalls stark beschädigte Realschule plus konnte pünktlich zum Schuljahresbeginn nach den Sommerferien den Betrieb vor Ort wieder aufnehmen, wenn auch noch mit provisorischen Klassenräumen. Insgesamt sind im Ahrtal 17 Schulen so stark betroffen, dass dort nach den Sommerferien noch kein Schulunterricht möglich war. „Uns war es sehr wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen trotzdem in ihren Klassengemeinschaften bleiben konnten. Wir haben unser Angebot an Schulpsychologen und Schulpsychologinnen verstärkt, um bei der Aufarbeitung der schrecklichen Ereignisse zu helfen“, sagte die Ministerpräsidentin.

Am Abend überreicht sie in der Landskroner Festhalle in Bad Neuenahr-Ahrweiler einen Bewilligungsbescheid über 130.200 Euro an die Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz für das Projekt „Angebot von Psychoedukationsgruppen und Fortbildungsgruppen im Ahrtal“. Bei der Veranstaltung wurde das Projekt des Netzwerkes "Soforthilfe Psyche“ vorgestellt, das im Ahrtal von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten geleitete Informationsgruppen anbietet. Dort erhalten Betroffene Unterstützung und Hilfe; zudem können Fachkräfte wie Lehrer, Erzieher oder Mitarbeiter in Altersheimen geschult werden, um traumabedingte Auffälligkeiten ihrer Schutzbefohlenen zu erkennen und helfend zu unterstützen. „Gerade solche niedrigschwelligen Angebote sind unglaublich wertvoll. Ich freue mich sehr, dass dieses Projekt für die Menschen im Ahrtal ins Leben gerufen wurde“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. „Die traumatischen Erlebnisse der Flut haben bei vielen Betroffenen zu starken psychischen Belastungen geführt. Viele Menschen haben Schlimmes erlebt und brauchen Hilfe, um die Bilder jener Nacht zu verarbeiten. Gemeinsam mit einer Vielzahl von Partnerinnen und Partnern hat die Landesregierung daher zahlreiche Maßnahmen auf den Weg gebracht, von psychosozialen Soforthilfen und Nachsorge bis zum Aufbau des Traumahilfezentrums Ahrtal, das am kommenden Montag eröffnet wird.“