Ministerpräsidentin Malu Dreyer würdigt Pionierin der Sportberichterstattung - Claudia Neumann ist Vorbild und Mutmacherin

Als erste Kommentatorin bei Europa- und Weltmeisterschaften im Männerfußball musste Sportreporterin Claudia Neumann Häme und Hetze im Netz ertragen. Sie ist sehr sportlich damit umgegangen und mit ihrer Souveränität zum Vorbild geworden. Für ihre besondere Rolle als Mutmacherin für andere Frauen hat ihr Ministerpräsidentin Malu Dreyer am Internationalen Frauentag den Marie Juchacz-Frauenpreis 2021 verliehen.

„Marie Juchacz gab sich nicht damit zufrieden, dass Frauen sich um die kleinen Frauenthemen kümmern dürfen und Männer als Experten für den großen Rest zuständig bleiben. Ihr Anspruch ist bis heute nicht selbstverständlich, das zeigen die Erfahrungen von Claudia Neumann. Ihr wurden Kompetenz und Fachwissen abgesprochen, weil sie eine Frau ist“, sagte die Ministerpräsidentin bei der Preisverleihung, die als Videoformat aus dem Festsaal der Staatskanzlei übertragen wurde. Von den sexistischen Anfeindungen habe sie sich nicht beirren lassen, sondern sie habe einfach weitergearbeitet und sei souverän ihren Weg als gestandene Sportjournalistin weitergegangen. „Als Pionierin steht Claudia Neumann für einen Aufbruch in der Sportberichterstattung. Sie hat sich damit große Verdienste um die Gleichstellung von Männern und Frauen erworben“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

Ihren Lebensweg in einer von Männern dominierten Branche thematisierte Claudia Neumann in ihrem Buch „Hat die überhaupt ´ne Erlaubnis, sich außerhalb der Küche aufzuhalten?“. Sie selbst beschreibt ihre Rolle als „Vorbild wider Willen“, die sie inzwischen auf ihre eigene Art angenommen hat. Sie bestärkt andere Frauen in „Männerberufen“, an die eigenen Fähigkeiten zu glauben und Widerständen mit positiver Energie zu begegnen. Bei sexistischer Kritik fordert sie Solidarität ein, nur gemeinsam könne Hetzern aller Art das Wasser abgegraben werden. Wichtig sei auch eine gute berufliche Begleitung, also ein Chef, auf dessen Unterstützung man sich verlassen könne. Ein solcher Vorgesetzter ist Thomas Fuhrmann, der die Laudatio auf Claudia Neumann hielt. Als verantwortlicher ZDF-Sportchef hatte er den Shitstorm unmittelbar miterlebt, der Claudia Neumann als Kommentatorin in der „Männerbastion“ Fußball im Jahr 2018 traf. Er stärkte Claudia Neumann den Rücken und zeigte klare Haltung.

„Bei der Gleichstellung von Männern und Frauen ist viel erreicht worden, aber es gibt auch noch viel zu tun. Das haben gerade die letzten Monate der Corona-Pandemie sehr deutlich offengelegt“, sagte die Ministerpräsidentin. Ihr sei es ein wichtiges Anliegen, möglichst viele Menschen zu ermutigen, sich für dieses wichtige Thema zu engagieren. Sie hat dazu vor zwei Jahren den Frauenpreis gestiftet, der langjähriges, vorbildliches Engagement für Frauenrechte würdigt, aber auch junge, innovative Ideen stärken soll. Erste Preisträgerin war 2019 Dr. Lore Maria Peschel-Gutzeit. Sie setzte sich vor allem für das Recht von Beamtinnen ein, aus familiären Gründen in Teilzeit arbeiten zu können. Die Preisträgerin im letzten Jahr war Marlies Krämer, die sich für die sprachliche Gleichbehandlung von Frauen stark macht. Mit dem Namen des Preises erinnert Ministerpräsidentin Malu Dreyer auch an die frauenpolitische Vorreiterinnenrolle und die Verdienste von Marie Juchacz, die als Abgeordnete in der Weimarer Nationalversammlung als erste Frau eine Rede hielt. Vorgeschlagen werden die Preisträgerinnen von einer Expertinnen-Jury aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Vertreterinnen verschiedener Gremien aus dem Bereich der Gleichstellung und Frauenpolitik unter Vorsitz der Ministerpräsidentin.

Der Live-Stream der Veranstaltung kann hier gerne nachgeschaut werden.