Von Rheinland-Pfalz direkt ins All

Seit jeher sind die Menschen von Sternen und Planeten fasziniert. Auch in Rheinland-Pfalz gibt es Begeisterte, die einfach nicht von den Lichtern am Himmel lassen können.

Die Dämmerung am Nachthimmel hat bereits eingesetzt. Neben den Lichtern der Flugzeuge werden über der Paul-Baumann-Sternwarte am Rande von Klein-Winternheim langsam die ersten Sterne erkennbar. Wenige Kilometer außerhalb von Mainz steht inmitten von Feldern das Häuschen, in dem sich eine voll funktionstüchtige Sternwarte versteckt.

"Man wird schon bescheiden wenn man sich mit der Astronomie beschäftigt", sagt Jan-David Förster, der 1. Vorsitzende der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft Mainz. Mit dem Blick in den Himmel und den Dimensionen des Universums im Hinterkopf werde schnell deutlich, wie klein die Menschen eigentlich sind. Und man gewinnt Erkenntnisse. "Ich habe genug Sternschnuppen gesehen, um zu wissen, dass das mit den Wünschen nicht ganz stimmen kann", sagt der 24 Jahre alte Chemie-Student aus Mainz. Er beschäftigt sich seit gut zehn Jahren mit den Planeten und Galaxien im Weltall, seit eineinhalb Jahren leitet er die Mainzer Sternenfreunde.

Rheinland-Pfalz ist laut Förster eine "Wüste" der Hobby-Astronomie. Neben dem Saarland sei es das einzige Bundesland, das kein Planetarium leitet. Försters Mainzer Gruppierung ist Mitglied der deutschlandweiten «Vereinigung der Sternfreunde». Dieser Verein bietet eine Plattform für den bundesweiten Austausch von Hobbyastronomen. Laut Dietmar Bannuscher vom Vorstand haben die Sternenfreunde 4000 Mitglieder. Dass im Flächenland Rheinland-Pfalz im Vergleich zu anderen Bundesländern in Sachen Astronomie weniger los sei, liegt seiner Ansicht nach daran, dass es weniger große Städte gibt.

Im südpfälzischen Bellheim (Kreis Germersheim) zeigt sich aber, dass Hobby-Astronomie auch abseits der Ballungszentren gefragt ist. Hier gründeten begeisterte Hobby-Astronomen im Frühjahr 2010 den Verein "Sternwarte-Bellheim". "Ohne das Engagement oder, wie man in der Pfalz sagt, Herzblut einiger weniger, würde es den Verein nicht geben", sagt Mitglied Michael Jedral. Auch in Bellheim gibt es regelmäßige Veranstaltungen. Zu den sogenannten Beobachtungsabenden, die Jedral zufolge einmal im Monat angeboten werden, kommen zwischen 30 und 100 Menschen. "Einmal jährlich organisieren wir das Teleskoptreffen Taubensuhler Astronomie Nächte", ergänzt er.

Da ein Windpark das Blickfeld immer stärker eingeschränkt, wollen die Mainzer Sterngucker mittelfristig umziehen. Oben auf dem Pfadberg in Stadecken-Elsheim (Kreis Mainz-Bingen) soll eine neue Sternwarte mit Vortragsraum entstehen. Die notwendigen Investitionen belaufen sich laut Förster auf mindestens 100 000 Euro. "Diese Summe können wir nicht alleine stemmen. Wir brauchen Hilfe aus der Region, aus Politik und Industrie. Wir hoffen auf Unterstützer", sagt er.

Noch blickt der Hobbyastronom in Klein-Winternheim durch das Teleskop - etwa auf einen Kugelsternhaufen im Sternbild Herkules. Eine ganz aktuelle Beobachtung ist eine Nova, die wenige Wochen zuvor von einem japanischen Amateurastronomen entdeckt wurde. Im Gegensatz zur Supernova, einem Stern, der komplett verglüht, werden bei einer Nova nur einzelne Gasschalen eines Sterns abgeworfen. Dabei entstehen eine große Hitze und Helligkeit, die den Stern auch von der Erde aus sichtbar machen.

Jedermann hat die Möglichkeit, Himmelsphänomene dieser Art gemeinsam mit der "Astronomischen Arbeitsgemeinschaft Mainz" zu entdecken. Für Schulklassen oder Jugendgruppen seien sie "sehr, sehr offen", bekräftigt Förster. Über aktuelle Treffen informieren die Sternengucker auf ihrer Webseite - jeden zweiten Freitag sind Besucher bei gutem Wetter eingeladen.