Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz danken allen, die Partnerschaft mit Ruanda mit Leben füllen

Beim Festakt zum 40-jährigen Jubiläum hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda mit ihren vielfältigen Verbindungen als einzigartiges Modell der Entwicklungszusammenarbeit gewürdigt.

Am 23. Juni 1982 – also fast auf den Tag genau vor 40 Jahren - wurde die Partnerschaft in Form eines Briefwechsels zwischen Rheinland-Pfalz und der Republik Ruanda vereinbart. „Unsere Graswurzelpartnerschaft schafft Nähe zwischen Menschen über Kontinente hinweg. Sie orientiert sich an den Bedürfnissen vor Ort und hilft den Menschen in Ruanda ganz konkret in ihrem alltäglichen Leben. Aber auch wir lernen dazu. Es ist eine Partnerschaft auf Augenhöhe“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Gemeinsam mit Innenminister Roger Lewentz hatte sie die Aktiven der Partnerschaft zur Jubiläumsfeier in die Staatskanzlei eingeladen. „Mein Dank gilt allen Akteuren und Akteurinnen, die sich seit Jahren und Jahrzehnten dafür einsetzen, unsere Freundschaft mit Leben zu füllen. Sie sind das Herzstück dieser Partnerschaft“, so die Ministerpräsidentin, die auch viele ruandische Gäste, darunter Botschafter Igor César sowie Studierende und junge Gründer und Gründerinnen begrüßen konnte.

180 Schulpartnerschaften, 40 kommunale Partnerschaften, zwölf Partnerschaften zu ruandischen Pfarreien und Diözesen und mehr als 50 Vereine und Stiftungen halten die Partnerschaft lebendig. In den vergangenen 40 Jahren habe Ruanda bei Bildung, wirtschaftlicher Entwicklung, gesundheitlicher Versorgung, der Gleichstellung von Mann und Frau, bei Digitalisierung und Nachhaltigkeit viel erreicht. „Wir sind stolz, Ruanda auf diesem Weg zu begleiten und werden es auch künftig tun“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Im Hinblick auf den Klimawandel, die Corona-Pandemie und den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine seien vertrauensvolle internationale Kooperationen auf Augenhöhe wichtiger denn je. „Gemeinsam wollen wir im Rahmen unserer Partnerschaft künftig verstärkt Projekte zu globalen Herausforderungen wie Nachhaltigkeit, Schutz der Biodiversität, zur wirtschaftlichen Kooperation oder zur gesundheitspolitischen Kooperation umsetzen“, so die Ministerpräsidentin.

Sie bezog auch zur aktuellen politischen Lage Stellung und kritisierte das Asylabkommen zwischen Großbritannien und Ruanda: „Großbritannien hat die Europäische Menschenrechtskonvention unterzeichnet und sich somit völkerrechtlich verpflichtet Schutz vor Ausweisung und Abschiebung zu gewähren.“

Es sei das Besondere dieser Partnerschaft, dass sie auf einem stabilen Fundament stehe und viele Pfeiler habe, von der Zivilgesellschaft bis in die Landesregierung, so dass es möglich sei, offen über Gemeinsamkeiten und auch Differenzen zu sprechen. „Ich möchte das 40. Jubiläum deshalb auch nutzen, um andere zu ermutigen, solche Partnerschaften aufzubauen und zu pflegen“, sagte die Ministerpräsidentin.

„Der 40. Jahrestag der Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda ist ein guter Anlass, um Bilanz zu ziehen und den Blick auf eine inklusive und transformative Zukunft zu richten, Seite an Seite. Dabei wollen wir den Fokus verstärkt auf neue Chancen legen, die den Wissens- und Technologieaustausch fördern; die Ruander an Austauschprogrammen und Praktika teilhaben lassen und die Auslagerung von Geschäftsprozessen nach Ruanda attraktiv machen. Eine starke und selbstbewusste Kultur und unser Humankapital sind die Erfolgsrezepte der Zukunft Ruandas.“, sagte der ruandische Botschafter Igor César. 

„Die seit 1982 bestehende Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda ist eine Graswurzelpartnerschaft im besten Sinne des Wortes – von Mensch zu Menschen, von Gemeinde zu Gemeinde, von Schule zu Schule und in vielen anderen Bereichen. Davon zeugt nicht zuletzt, dass über ein Fünftel der mehr als 70 Millionen Euro, mit denen in den vergangenen 40 Jahren über 2.200 Projekte in Ruanda unterstützt werden konnten, Spenden der rheinland-pfälzischen Bevölkerung waren. Viele Menschen in unserem Land spüren nach vier Jahrzehnten der Partnerschaft eine tiefe Verbundenheit mit Ruanda, die den einzigartigen Austausch zwischen unseren Gesellschaften lebendig hält“, sagte Innenminister Roger Lewentz, dessen Ressort für die Partnerschaft zuständig ist.

Lewentz betonte, dass trotz der großen Distanz beide Seiten von der Partnerschaft profitierten. Die Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer würden mit konkreten Beispielen aus Ruanda für die Probleme und Herausforderungen dort sensibilisiert und zeigten selbst ein vielfältiges Engagement – etwa um den Bau von Schulen, Schulküchen, Schlafräumen und Sportplätzen zu unterstützen. „Die Partnerschaft fördert die Begegnung und die Freundschaft von Menschen beider Länder. So bieten wir einen Rahmen, um die Zusammenarbeit zivilgesellschaftlicher Gruppen vor Ort zu ermöglichen. Für diesen andauernden gegenseitigen Austausch bin ich sehr dankbar“, sagte der Innenminister.

Im Programm des Festaktes wurde ein Blick zurück auf die Gründungsjahre der Partnerschaft und ein Blick nach vorn auf die weiteren Entwicklungen, Herausforderungen und Projekte geworfen. An Gesprächsrunden nahmen unter anderem die früheren Ministerpräsidenten Dr. Bernhard Vogel und Kurt Beck, Jean-Claude Kazenga, früherer Mitarbeiter im Koordinationsbüro in Kigali, und Dr. Anna-Maria Brandstetter, Institut für Ethnologie und Afrikastudien Johannes Gutenberg-Universität, Tete Loeper, Schriftstellerin aus Ruanda, Katja Gruber, Leiterin des Koordinationsbüros Rheinland-Pfalz in Kigali/Ruanda, sowie Prof. Dr. Böhner, Qualitätssicherung in der Fachkräfteausbildung in Ruanda, teil. Festredner war der Journalist und Afrika-Experte Bartholomäus Grill.

In Afrika wie auch in Deutschland liegen innovative Gründungen von Frauen immer noch deutlich hinter denen von Männern zurück. Deshalb war im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung im Foyer die Fotoausstellung „Women Entrepreneurs from Rhineland-Palatinate and Rwanda“ von ZIFET (Zentrales Institut für Scientific Entrepreneurship & International Transfer der Universität Koblenz-Landau) zu sehen, die Rollenmodelle sichtbar macht und innovative Frauen in beiden Ländern zum Gründen motivieren will.

 

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