Ministerpräsidentin Malu Dreyer: Ehrenamtlicher Einsatz gehört zum Lebensgefühl von Rheinland-Pfalz

„Es macht mich stolz, auch in diesem Jahr Rheinland-Pfälzer und Rheinland-Pfälzerinnen auszuzeichnen, die sich in besonderer Weise um die Gemeinschaft verdient gemacht haben. Durch ihr Engagement haben sie dazu beigetragen, Menschen in Not zu helfen, unser Land weiterzuentwickeln und unsere Gesellschaft zu stärken – dieser Einsatz macht auch das Lebensgefühl und die Lebensqualität in Rheinland-Pfalz aus“, betonte Ministerpräsidentin Malu Dreyer anlässlich der 40. Verleihung des Landesverdienstordens. Den Orden erhalten seit 1982 jährlich Bürgerinnen und Bürger, die Außergewöhnliches für Rheinland-Pfalz geleistet haben.

In Vertretung für die Ministerpräsidentin überreichte Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt die Auszeichnung in der Staatskanzlei an zehn neue Ordensträgerinnen und Ordensträger. Sie hob hervor, welche herausragende Bedeutung dem ehrenamtlichen Engagement zukomme. „Insbesondere in den herausfordernden Zeiten während der Pandemie sowie in Folge der schrecklichen Flutkatastrophe sind Menschen eng zusammengerückt, haben sich gegenseitig unterstützt und Kraft gegeben. Auch in vielen anderen Bereichen leisten die Bürgerinnen und Bürger von Rheinland-Pfalz Großartiges. Sie unterstützen jene, die Hilfe benötigen. Sie engagieren sich und bringen tolle Projekte voran. Sie sind der soziale Kitt unserer Gesellschaft und Zukunftsgestalter. Die heute geehrten Landesverdienstordensträger stehen für das herausragende gesellschaftliche Engagement in unserer Gesellschaft. Dieses Handeln verdient unbedingt eine herausragende Würdigung und Anerkennung“, sagte Staatsministerin Daniela Schmitt. Von den Engagements der Ordensträgerinnen und Ordensträger zu lesen, habe sie tief beeindruckt. Der ehrenamtliche Einsatz mache sie sehr zuversichtlich, denn dieser Zusammenhalt sei es, der die Gesellschaft stärke. „Gerade, weil Ehrenamt oft im Hintergrund stattfindet, ist es uns wichtig, Ihr Engagement heute ins Rampenlicht zu stellen. Auch dazu soll diese Feierstunde Gelegenheit geben“, so Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt.

Der Landesverdienstorden ist die höchste Auszeichnung des Landes. Um diese Bedeutung hervorzuheben, ist die Zahl der Ordensträgerinnen und Ordensträger auf 800 begrenzt.

Bilder zur Veranstaltung und den Geehrte können ab dem 16.11.2021, 10.00 Uhr unter www.rlp.de veröffentlicht heruntergeladen werden.

Geehrt wurden (in alphabetischer Reihenfolge):

Elke Boné-Leis, Trier

Elke Boné-Leis engagiert sich seit vielen Jahrzehnten für den Kinderschutz. Im Kinderschutzbund Trier hat sie zahlreiche Angebote für Kinder und Jugendliche auf den Weg gebracht, wie beispielsweise den Krankenhausbesuchsdienst und das Projekt „Lichtblick“, eine Fachstelle für Kinder und Jugendliche aus suchtkranken Familien. Im Jahr 2010 gründete sie die Gruppe „Helfende Hände“, eine Vernetzung mit dem Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier.

Seit 2015 widmet sie sich daneben verstärkt der Flüchtlingsarbeit. Mit finanzieller Hilfe der LOTTO-Stiftung ermöglichte sie eine Ausbildung für 14 Flüchtlingsbegleiterinnen und -begleiter. Zudem organisierte sie das Integrationsprojekt „Kultur & Kreativität ohne Grenzen“, das Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen Sprachbereichen die Möglichkeit geben soll, spielerisch und vorurteilsfrei Zugang zueinander zu finden.

Astrid Clauss, Mainz

Astrid Clauss hat sich während ihres gesamten Arbeitslebens, aber vor allem auch in ihrem ehrenamtlichen Engagement für die Belange der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen sowie für die Gleichstellung von Mann und Frau eingesetzt. Über drei Jahrzehnte war sie die beamtenpolitische Stimme des Deutschen Gewerkschaftsbundes, die über Partei- und Ministeriumsgrenzen hinweg große Anerkennung gefunden hat. Mit ihrem Expertenwissen und ihrer guten Vernetzung hat sie sich konsequent für eine verbesserte Besoldungspolitik, Arbeitszeitreduzierung, Arbeitszeitsouveränität und mehr personalvertretungsrechtli­che Mitbestimmung eingesetzt.

Darüber hinaus engagiert sie sich unter anderem als ehrenamtliche Richterin am Arbeitsgericht und Sozialgericht Mainz sowie am Landessozialgericht Rheinland-Pfalz. Sie ist zudem als ehrenamtliche Versichertenberaterin für die Deutsche Rentenversicherung tätig. Dort war sie von 2005 bis 2011 stellvertretendes Mitglied im Vorstand.

Prof. Ingeborg Henzler, Bendorf

Prof. Ingeborg Henzler agiert seit Jahrzehnten als Mittlerin zwischen Wirtschaft, Kultur, Forschung und Lehre. Von 2002 bis 2009 war sie Vizepräsidentin der Fachhochschule Koblenz und war unter anderem im Koblenzer Netzwerk zur Förderung von Existenzgründungen an Hochschulen aktiv. Während ihrer Präsidentschaft an der Hochschule Koblenz von 2008 bis 2011 stellte sie weitere wichtige Weichen für die Zukunft der Hochschule, unter anderem durch die Gründung eines internen Forschungszentrums.

Über den Wissenschaftsbereich hinaus setzte sie sich auch für die Kultureinrichtungen in der Region ein. Unter anderem engagierte sie sich viele Jahre für den Förderkreis Kulturzentrum Festung Ehrenbreitstein, den Marketing-Club Rhein-Mosel, die Stiftung Rheinland-Pfalz für Innovation, das Landesmuseum Koblenz und die Koblenzer Kulturstiftung.

Prof. Dr. Klaus Merle, Mainz (nicht anwesend)

Prof. Dr. Klaus Merle hat insbesondere um die Digitalisierung der Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Rheinland-Pfalz große Dienste erworben. Bereits 1995 startete er mit der Planung des Wissenschaftsnetzes Rheinland-Pfalz. Dieses wird durch das Zentrum für Datenverarbeitung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz betrieben, welches Prof. Dr. Merle mehrere Jahre leitete, und zählt zu den leistungsfähigsten Wissenschaftsnetzen Deutschlands. Trotz seines Ruhestands engagiert Prof. Dr. Merle sich fortlaufend für dessen Weiterentwicklung.

Während der Pandemie wirkte er entscheidend darin mit, den Anschluss der Universität Mainz an den Internet-Knotenpunkt DE-CIX Frankfurt in kürzester Zeit für die verstärkte Nutzung digitaler Dienste auszubauen. Dank seines Engagements konnte die Universität neben den Hochschulen auch bis zu 60.000 Schülerinnen und Schüler gleichzeitig mit einem Videokonferenz-Dienst versorgen und somit datenschutzkonformen Online-Unterricht ermöglichen.

Klaus Puderbach, Mainz

Klaus Puderbach hat sich auf Landes- und Bundesebene über viele Jahre für den Opferschutz sowie für die Umsetzung des Täter-Opfer-Ausgleichs eingesetzt. Seinem engagierten Wirken ist es in hohem Maße zuzuschreiben, dass der Täter-Opfer-Ausgleich heute allgemein anerkannt und zur Normalität im Justizalltag geworden ist. Als Leitender Oberstaatsanwalt sowie in seinen Ehrenämtern setzte er sich zudem für das Haus des Jugendrechts in Mainz und für die Umsetzung solch vernetzter Strukturen in anderen Häusern des Jugendrechts ein.   

Die Belange sozial benachteiligter Jugendlicher sowie die Wiedereingliederung Straffälliger unterstützte er beispielsweise in Projekten wie „Kunst statt Knast“. Zudem engagierte er sich jahrelang ehrenamtlich bei justiznahen freien Trägern wie der Opfer- und Täterhilfe Rheinhessen e.V., Tatausgleich und Konsens e.V. und dem Förderverein für Konfliktschlichtung in Köln.

Claudia Margarete Rankers, Flörsheim

Claudia Rankers hat sich herausragende Dienste durch ihr langjähriges und vielfältiges Engagement für frauenpolitische Themen erworben. Im Fokus ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit stehen Frauennetzwerke sowie Beruf und Einkommen von Frauen. Seit 2014 ist sie Vorsitzende des Landesfrauenrates Rheinland-Pfalz, dessen Aktivitäten sie deutlich belebt hat. In mehreren innovativen Projekten vertiefte sie das Thema „Frauen und Finanzen“ unter anderem im Hinblick auf die Entgeltgleichheit, die Bedeutung der Berufswahl, die Versorgung von Frauen im Alter und die Steuergerechtigkeit.

Seit rund zwanzig Jahren engagiert Claudia Rankers sich zudem im Frauennetzwerk ZONTA. Sie vertritt den ZONTA Club Mainz im Landesfrauenrat und hat einen „Thinktank“ eingeführt, der Frauen aus verschiedenen Berufen und Branchen zur Vernetzung einlädt. 2019 wurde sie zudem in die Expertinnen-Jury des Marie Juchacz-Frauenpreises berufen.

Marc Ulrich und Thomas Pütz, Bad Neuenahr-Ahrweiler

Unmittelbar nach der Flutkatastrophe erkannten Marc Ulrich und Thomas Pütz das logistische Problem bei der Koordinierung ehrenamtlicher und freiwilliger Hilfe und initiierten einen Shuttle-Service, der mittlerweile mehr als 180.000 Helferinnen und Helfer sicher und organisiert in die betroffenen Regionen gebracht hat. Sie entwickelten darüber hinaus die digitale Plattform #SolidAHRität, um Hilfsangebote zu erfassen und zu vermitteln.

Ein weiteres erfolgreiches Projekt ist das Helfercamp auf dem Gelände des Innovationsparks Rheinland, an dem sich Helferinnen und Helfer versammeln und austauschen können. Mit der Gründung des Spenden-Shuttles, dem Marc Ulrich und Thomas Pütz gemeinsam vorstehen, haben sie erneut eine einzigartige Plattform geschaffen, die ihnen die gezielte Verteilung von Spendengeldern ermöglicht.

Prof. Dr. Fred Zepp, Mainz

Prof. Dr. Fred Zepp leitete von 1998 bis 2021 sehr erfolgreich das Zentrum für Kinder- Jugendmedizin der Universitätsmedizin Mainz und gründete 1999 die Stiftung Präventive Pädiatrie – heute „Kinder.Gesundheit.Mainz – Stiftung für das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin“. Neben einer Vielzahl weiterer Funktionen war er von 2009 bis 2011 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. und genießt auf seinem Fachgebiet höchste Reputation.

Darüber hinaus hat sich Prof. Dr. Zepp der Impfprävention verschrieben – seit 1995 ist er Mitglied in der Impfkommission Rheinland-Pfalz, seit 1998 in der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts und seit 2012 im Committee for Human Medicinal Products der EMA. Als Mitglied im Corona-Expertenteam des Landes wirkte er auch an der Erarbeitung von Hygieneplänen für Schulen und Kitas in Rheinland-Pfalz mit. 

Heik Zimmermann, Saulheim

Heik Zimmermann setzt sich für das eigene transidente Kind und als Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Transsexualität und Intersexualität seit 2013 für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt ein, insbesondere für transidente Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. 2013 schuf Heik Zimmermann erstmals Beratungsangebote für Familien mit LSBTI- und nichtbinären Angehörigen in Rheinhessen und dem Rhein-Main-Gebiet und gründete einen Elterntreff zu dem Thema in Mainz.

2014 baute Heik Zimmermann ein Beratungsangebot für Kitas, Schulen und pädagogische Fachkräfte-Teams auf und initiierte 2016 gemeinsam mit weiteren Personen den Arbeitskreis Rheinland-Pfalz der Deutschen Gesellschaft für Transsexualität und Intersexualität. Darüber hinaus wirkte Heik Zimmermann maßgeblich an Projekttagen, Fortbildungen und anderen Hilfsangeboten zu dem Thema mit.