Rheinland-Pfalz hatte bald nach der Maueröffnung im November 1989 die Aufgabe übernommen, den Freistaat Thüringen beim Aufbau seiner neuen Verwaltungsstrukturen zu unterstützen. Grundlage dieser Unterstützung bildete ein Beschluss des Landtags Rheinland-Pfalz im Rahmen der Haushaltsaufstellung 1990/1991: danach wurden für Projekt- und Verwaltungshilfe in Thüringen innerhalb von drei Jahren 50 Millionen Deutsche Mark bereitgestellt. Aus den Geschäftsbereichen der Landesregierung waren bis Ende 1996 rund 1.380 Beschäftigte in Thüringen tätig, darunter aus dem Ministerium der Finanzen circa 670 Beschäftigte und aus dem Ministerium der Justiz circa 350 Beschäftigte.
In Kurzvorträgen berichteten die ehemalige Bundesfamilienministerin Christine Bergmann und der rheinland-pfälzische Justizminister Heinz Georg Bamberger von ihren eigenen Erfahrungen.
„Es war zunächst eine Zeit, in der das Alte nicht mehr galt und das Neue noch nicht. Doch dann ist über die gemeinsame Arbeit plötzlich alles relativ einfach gegangen und wir haben die Erfahrung machen dürfen: Man wächst am Besten zusammen, wenn man gemeinsam arbeitet“, so Christine Bergmann.
Bamberger, in Thüringens Justizministerium damals als Zentralabteilungsleiter und Vorsitzender des Richterwahlausschusses tätig, sprach von einer gewissen Unsicherheit, die anfangs im gegenseitigen Umgang miteinander geherrscht habe. „Die neuen Länder bekamen mit dem Einigungsvertrag ja von heute auf morgen ein völlig neues Rechtssystem mit deutlich mehr Komplexität“, so Bamberger. Aus seiner Sicht sei der Einigungsvertrag jedoch eine hervorragende Arbeitsgrundlage gewesen. „Die Wiedervereinigung und der nachvollzogene Verwaltungsumbau waren eine Glanzleistung der bundesdeutschen Bürokratie. Zeitgerecht und Sachgerecht“, so Justizminister Bamberger.
An der sich anschließenden Podiumsdiskussion nahmen neben Bergmann und Bamberger auch der damalige Präsident der Kultusministerkonferenz, Georg Gölter, der ehemalige thüringische Finanzminister Klaus Zeh und der langjährige Mainzer Oberbürgermeister Herman-Hartmut Weyel teil. Umrahmt wurde die Veranstaltung von Beiträgen der Schülerinnen und Schüler des Gutenberg-Gymnasiums in Mainz sowie einer Gruppe des Johann Gutenberg-Gymnasiums Erfurt.
Gelungene Zusammenarbeit
"Rückblickend war die rheinland-pfälzische Verwaltungshilfe ein erfolgreiches Modell einer modernen und partnerschaftlichen Zusammenarbeit der öffentlichen Verwaltung.“ Das sagte der Chef der Staatskanzlei, Staatssekretär Martin Stadelmaier, anlässlich einer Vortrags- und Podiumsdiskussion zum Thema „20 Jahre Partnerschaft Rheinland-Pfalz - Thüringen: eine gelungene Verwaltungszusammenarbeit.“
